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Zur Psychologie des Findens und Verknüpfens
Interaktive Einleitung des Kongresses - Vortext
Fachkongress »Suchen und Finden im Internet« am 1.2.2006 in München - veranstaltet vom Münchner Kreis
von Klaus C. Marwitz

Vortext

Die Aufgabe von Suchmaschinen sind Dienstleistungen im Service-Bereich. Während es im klassischen Service darum geht, wie gut und genau und umfangreich man die Frage des Kunden beantwortet, hat sich der Servicegedanke längst weiterentwickelt und wird Stewardship genannt. Der Hauptgedanke ist jetzt nicht mehr allein, den objektiven Gehalt einer Frage als Auftrag zu betrachten, sondern die Art des Fragens mit einzubeziehen. Die Art des Fragens - Teil der nonverbalen Kommunikation - setzt sich aus zahlreichen unbewussten Parametern zusammen, deren Muster typisch für jedes Individuum sind. Es handelt sich um einen kommunikativen »Fingerabdruck«, der zum Teil genetischen Ursprungs ist. Wenn jetzt derjenige, an den die Frage gerichtet ist, diese Art des Fragens entschlüsseln kann, wird er die Frage ganz anders, nämlich im Sinne des Fragenden verstehen. Wenn nicht, wirken seine eigenen Parameter, und die Frage wird im Sinne des Gefragten beantwortet. Gehen wir davon aus, dass der Gefragte die Art des Fragens aufgedeckt hat. Wenn er jetzt noch in der Lage ist, die Art des Antwortens mit der Art des Fragens zu synchronisieren, wird die Antwort nicht nur eine vordergründige Lücke füllen, sondern zusätzlich tiefer- nicht nur weitergehende Fragen entstehen lassen. Die Art der neu entstandenen Fragen gibt wiederum genaueren Aufschluss über die Parameter des Fragenden und so fort. Der Weg vom belehrten zum lernenden Menschen ist frei. Das Internet ist nicht mehr nur Informationsspender.
In meinem kurzen mündlichen Beitrag durchlaufe ich zunächst einige Entwicklungsstufen des menschlichen Lernens vom Nürnberger Trichter bis zum Internet. Daraus leite ich den momentanen Stand des elektronischen Suchens und Findens ab und zeige an Hand von einigen wenigen Parametern des menschlichen Denkens, was ich unter der »Art des Fragens« verstehe. Ziel ist es, den »Antworter« dafür zu sensibilisieren und die »ART des Antwortens« zur »Kunst des Antwortens« werden zu lassen.

© 1.2.2006 Klaus C. Marwitz

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